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1.-Mai-Aufruf als PDF
Kriegstreiber stoppen! Kapitalismus zerschlagen!
Linksradikales und autonomes 1.-Mai-Bündnis 10. April 2002


Heraus zum revolutionären 1. Mai 2002!
16 Uhr vor Ex-Bolle am Görlitzer Bahnhof




Der Blick in jede beliebige Tageszeitung genügt, um schwarz auf weiß zu lesen, wie die kapitalistische Zukunft für diejenigen aussieht, die nicht zu den oberen Zehntausend gehören. Während die Herren aus den Chefetagen der Großkonzerne Gewinne schreiben, neue Produktionsstätten, neue Absatzmärkte kriegerisch anvisieren und hier gleichzeitig den massiven Abbau von Arbeitsplätzen vorantreiben, erklären uns die Regierenden, wir hätten alle den Gürtel enger zu schnallen und dies hinzunehmen zur Sicherung eines Status Quo, von dem jedoch die Mehrheit der Menschen längst ausgeschlossen ist.

Uns wird eingeredet, es müsse gespart werden. In einer heuchlerischen Kampagne wird der Abbau der erkämpften sozialen Errungenschaften mit angeblichen Sach- und Sparzwängen begründet. „Sparen“, weil kein Geld da sei, verschleiert die Umverteilung von unten nach oben. Die Reichen rufen die Armen zum Verzicht auf. Im Interesse der Kapitalisten rufen die Regierenden zum „Sparen“ auf, für neue Waffen, für ihre imperialistischen Kriege. Aber Verzicht der Armen auf Lebensqualität und Krieg zur Sicherung des Reichtums weniger, lösen kein gesellschaftliches Problem.

In einer Zeit, in der Privatisierung des Profits und Vergesellschaftung der Verluste, Sozialabbau und Arbeitslosigkeit, rechtsradikale Mobilisierungen und Deutschtümelei, repressive „Innere Sicherheit“ und Kriegsführung zum bestimmenden Trend geworden sind, ist es notwendig gegen den Strom zu schwimmen.


Solidarität statt Konkurrenzkampf

Wir alle sind mit dieser Realität konfrontiert: MigrantenInnen sind den permanenten rassistischen Angriffen durch Faschisten und Deutschtümmler ausgesetzt; für Frauen gehört die aggressive Erniedrigung und Unterdrückung in einer männerdominierten Welt, Gewalt und Anmache zum Alltag. Alle sind wir dem sich zuspitzenden Konkurrenzkampf genauso ausgesetzt wie dem egoistischen Kampf um die eigene Existenz, der wachsenden Arbeitslosigkeit und dem ständigen Anstieg der Lebenshaltungskosten, dem ständigen Reallohnverlust, den Kürzungen von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe, der Privatisierung der Gesundheits- und Rentenversorgung.

Um von der kapitalistischen Profitgier abzulenken, gibt es immer wieder die Mähr jeder/jede sei selbst verantwortlich, sowie die Mähr des Schuldigen. Die „Drückeberger“, die dem Sozialstaat auf der Tasche liegen, „die Andere“: die „Ausländer“, die „unsere“ Arbeitsplätze wegnehmen. Es entspricht genau dieser Logik, wenn sich ArbeiterInnen auf den Konkurrenzkampf für „ihren Betrieb“, für den „Standort“ gegen zum Beispiel osteuropäische Regionen einlassen und dabei in nationalistischen Denkmustern argumentieren. So werden billige Arbeitskräfte gegen noch billigere Arbeitskräfte ausgespielt.

Es entspricht derselben Logik, wenn Menschen, die den Zufall auf ihrer Seite hatten, mit der deutschen Staatsbürgerschaft geboren zu werden, sich das Recht herausnehmen, über Aufenthaltsberechtigung, Abschiebung, Existenzberechtigung anderer Menschen zu entscheiden. Diese menschenverachtende Logik greifen wir an!

Um von den eigentlichen Ursachen abzulenken, wird uns individuell die Schuld für die Misere zugewiesen und falsche Fronten aufgemacht: eine Spalterpolitik, die die kleinen Leute gegeneinander ausspielen soll. Die „Deutschen“ gegen die „Ausländer“, die Männer gegen die Frauen, die „Normalen“ gegen die „Spinner“, die Eigenheimbesitzenden gegen die Obdachlosen, die Angestellten gegen die ArbeiterInnen.




Klassenkampf statt Spaltung

Am 1. Mai wollen wir auf die Straße gehen, gegen eine Realität, in der alle gegen alle kämpfen sollen und nur die Stärksten überleben können, dagegen setzen wir unsere Solidarität und die Utopie einer herrschafts- und gewaltfreien klassenlosen Gesellschaft.

Wir bekämpfen jeden Bezug auf völkisch-nationale Orientierungen. Er führt unweigerlich zu rassistischer Aggression, zur Aufspaltung der Menschen in „Herren- und Untermenschen“. Solidarität mit den Menschen, die hier leben wollen oder müssen, in den Schulen, auf den Ämtern, in den Betrieben und auf der Straße. Solidarität, die schon im Kleinen anfängt: einzugreifen, wenn in der U-Bahn oder auf der Straße MigrantInnen angegriffen werden, sich gegenseitig zu unterstützen, wenn es Ärger gibt auf der Arbeit oder mit den Ämtern.

Solidarität heißt auch, nicht alles zu glauben, was die Massenmedien verbreiten, sondern nachzufragen, in Frage zu stellen, sich Gedanken zu machen und sich zu informieren.

Unsere Solidarität entsteht von unten, im Alltag, indem wir unsere Anliegen selbst in die Hand nehmen, Vorstellung von dem zu entwickeln, wie ein anderes Leben, eine andere Gesellschaft aussehen könnte und uns mit anderen organisieren in der Hoffnung auch weiterhin gegen die Isolation und Vereinzelung die sozialen Kämpfe zu beginnen.



Der 1. Mai wurde erstmals 1889 als „Tag der internationalen Solidarität und des Kampfes des Proletariats“ begangen. Er war die Antwort auf die Ereignisse 1887 in Chicago, als Polizisten in eine Demonstration streikender ArbeiterInnen für den Acht-Stunden-Tag schossen. Seit dem zeigen an diesem Tag weltweit Frauen und Männer ihre Ablehnung oder auch ihren Widerstand gegen kapitalistische Ausbeutung und Unterdrückung. Wir begehen diesen Tag in dieser Tradition. Der Tag, an dem wir für bessere Lebensbedingungen, für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen, gegen rassistische Angriffe und für ein freies Aufenthaltsrecht für MigrantInnen, gegen sexistische Aggression und nationalistischen Terror auf die Straße gehen. Als Tag, an dem wir unsere Vorstellung von Befreiung, die hinter all diesen alltäglichen Kämpfen steht, zum Ausdruck bringen.


Protest und Widerstand ist die einzige Alternative zur Barbarei

Protest auszudrücken und Widerstand zu organisieren gegen das was ist war niemals einfach, und heute scheint diese Herrschaftsstruktur mächtiger denn je. Der Kampf dagegen scheint immer schwieriger und ohne Hoffnung auf schnelle Erfolge zu sein. Menschen, die aktiv gegen Faschismus auftreten, werden härter bestraft als diejenigen, die Flüchtlingsheime in Brand setzen, Menschen verletzen oder töten. Menschen, die sich am Arbeitsplatz gegen schlechte Arbeitsplatzbedingungen, zu niedrige Löhne und anderes wehren, laufen Gefahr, entlassen zu werden. Flüchtlinge die sich gegen ihre miesen Bedingungen zur Wehr setzen und sich organisieren, werden abgeschoben. Frauen, die Vergewaltiger anzeigen wird nicht geglaubt. Kinder, die zu Hause körperlich und/oder seelisch misshandelt werden, allein gelassen. Jugendliche in ihrer Perspektivlosigkeit verwaltet. Alte, denen ihre Rente nicht zum Leben reicht, werden vergessen. Kranke und Behinderte werden isoliert. Obdachlose aus den Stadtzentren verdrängt. Und doch ist unsere Solidarität, unser Protest und Widerstand die einzige Alternative zur Barbarei.




Solidarität ist eine Waffe!

Am 1. Mai wollen wir demonstrieren, dass es immer noch Menschen gibt, die von einer anderen Gesellschaft träumen und dafür kämpfen. Wir werden zeigen, dass es viele Gründe gibt, auf die Straße zu gehen, den Mund aufzumachen, nachzufragen, mit anderen zu reden, sich zusammenzuschließen und die Anliegen selbst in die Hand zu nehmen. Für eine Gesellschaft, in der sich Behinderte frei bewegen können, alte Menschen ihre Rente auf der sonnigen Parkbank genießen, Menschen selbst entscheiden, wohin sie gehen und wo und wie sie Leben wollen. Ein Leben, in dem Menschen das Wie, Was und Wofür der Produktion selbst bestimmen. Eine Gesellschaft, in der alle Menschen ohne Diskriminierung leben können. Ein Leben, das nicht mehr vom Wickeltisch bis zum Sarg von den Profit- und Machtinteressen einiger weniger bestimmt wird.

Die menschenverachtende Natur des Kapitalismus, seine Grausamkeit und Blindheit, seine unersättliche Gier nach Profit, seine Entschlossenheit zur Vernichtung allen Widerständigen, war nie umfassender, nie zerstörerischer und gefährlicher. Heute wird deutlicher denn je, dass die USA als mächtigste militärische Macht und zusammen mit der EU als kapitalistische Blöcke die Welt in den dritten Weltkrieg treiben und bereit sind, alles zu vernichten, was sich diesem Imperium nicht unterwirft. Deutschland ist Teil dieses Krieges, es baut an seinem eigenen Imperium und vertritt dabei seine eigenen Interessen. Seine Soldaten erschießen afghanische Menschen, zerstören Dörfer auf dem Balkan. Und morgen oder übermorgen? Dasselbe im Irak, dann wahrscheinlich in Somalia, bald in Russland, in China – und dann in Kuba?




Kapitalismus führt zu Krieg

Die rot-grüne Bundesregierung beteiligt sich aktiv und an führender Stelle an einer imperialistischen Politik, die nun zunehmend zur gewaltsamen Niederschlagung von Aufstandsbewegungen weltweit greift. Bei der der Bundesregierung nach dem 11. September verkündeten „bedingungslosen Solidarität“ mit den USA im Kampf gegen die „Achse des Bösen“ mit weltweit 60 Zielen, gehören selbst Atomwaffen zum Szenario. Der jetzt begonnene Krieg, findet nach Innen in einem drastischen Abbau demokratischer Rechte, sozialer Errungenschaften und verstärktem Rassismus seine logische Ergänzung.

Und hier ...? Krieg ist teuer! Und er muss im Inneren gesichert werden. Die schon Ausgebeuteten werden noch mehr geplündert. Unverfrorener Abbau der Sozialnetze, der Bildung, der Kultur, denn nur die Privatisierung dieser Sektoren bringt Profit. Statt dessen großzügiger Ausbau des justiziellen und polizeilichen Repressionsapparates, schleichende Militarisierung der Gesellschaft durch offene und geheime wissenschaftliche, medizinische, soziale, mediale und geistige Zuarbeit für die Kriegspolitik und den Militärapparat.

Kapitalismus degradiert uns zu Konsumdeppen, hetzt uns sinnlos durchs Leben und gegeneinander. Er braucht Sexismus, Rassismus und Chauvinismus, um uns gegeneinander auszuspielen. Er weist die Stühle im Sozialamt, im Arbeitsamt, im Obdachlosenasyl zu. Er sperrt Menschen in Lager, teilt Rationen zu und grenzt aus.

Jede grundsätzliche Kritik an diesem System und seiner machtbesessenen und machthörigen, durch und durch korrumpierten politischen Elite wird in den Medienkonzernen zermalmt.

Wir müssen unsere Wut, unsere Kritik und unseren Willen nach einem Leben jenseits von Ausbeutung und Fremdbestimmung wieder auf die Straße bringen.



Beteiligt Euch auch an den Demonstrationen und Aktionen zum Bush-Besuch vom 21. bis 23. Mai 2002 in Berlin


Zur Demonstration rufen auf:

Antiparlamentarische Linke, Aufbrechen, Kommunistische-Autonome Gruppen, gruppe sabotage berlin, Was tun! – sozialistische Initive/Sozialistische Liga, mücadele, Berliner Anti-NATO-Gruppe (B.A.N.G.), Rote Aktion Berlin, Initial, FreundInnen Irlands, Autonome Republik Kreuzberg, Gegeninformationsbüro (Stand: 26. März 2002)


UnterstützerInnen:

Íkologische Linke Berlin

Kontakt:

c/o Gegeninformationsbüro
Kohlfurterstraße 40
10999 Berlin-Kreuzberg
Tel.: 030/28 28 93 43
Fax: 030/28 28 93 45

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 10. April 2002